Samuel Treindl, „Brass Shelf“ aus der Serie „Parasitäre Produktion“, (Foto: Rolf Wöhrle)

Design ist allgegenwärtig – ob die Büroklammer, der Turnschuh oder der Schreibtisch. Alles ist gestaltet und das in zahlreichen Varianten. Meist vereinen sich dabei funktionale und ästhetische Konzepte im optimalen Fall zu einem neuartigen, sinnvollen Designobjekt. Die Mechanismen im Hintergrund bleiben jedoch meist verborgen. Entscheidend ist das Endprodukt, und nicht der Prozess. Den Designer Samuel Treindl jedoch interessieren genau diese verdeckten Mechanismen. Systeme, die ganz automatisch stattfinden, jedoch selten an die Oberfläche gelangen.

"Wie und in welchem Zusammenhang findet etwas statt? Wie kann ich als Designer darin eingreifen?", sind Fragen, die sich Treindl beim Entwurfsprozess stellt. So auch beim „Brass Shelf“, das Teil seiner Serie „Parasitäre Produktion“ ist und zurzeit in der Ausstellung „Heavy Metal – Edle Metalle im Design“ gezeigt wird.

Samuel Treindl, „Brass Shelf“ aus der Serie „Parasitäre Produktion“
Samuel Treindl, „Brass Wardrobe“

Der Titel der Serie lässt bereits zahlreiche Assoziationen zu – die meisten davon kommen wohl aus der Tierwelt, und das zu Recht: Treindl überträgt den biologischen Prozess des Parasitären auf seine Serie. Er entwirft Lampen, Uhren und Garderoben und ernährt diese, ähnlich der tierischen Verwandten, von ihrem Wirt. Im Falle von „Brass Shelf“ ist dieser Wirt ein Regal aus schimmerndem Messing, das am Ende zum zerklüfteten Ornament in goldig-glänzender Art Deco Optik mutiert. Ausgeschnitten bleibt es übrig und funktioniert plötzlich als Bild. Die Negativform des Rests verwandelt sich plötzlich in ihr Gegenteil und bringt das traditionell Abwesende einer Produktion zum Vorschein.

Treindl tritt hier nicht nur als Entwurfsdesigner auf – nein, er greift gleichzeitig in den Produktionsprozess ein und legt das System offen. Er interveniert in den industriellen Schneidprozess und schafft dadurch neue Abhängigkeiten und Regeln im Spiel der Massenproduktion. Nur so viele Lampen, Garderoben und Uhren können hergestellt werden, wie es das Regal  zulässt.

Samuel Treindl „Brass Clock“

Seine „Parasitäre Produktion“ will der Designer als ein kritisches Statement zur heutigen Massen- und Überproduktion verstanden wissen. In der Weiterführung der Serie plant Treindl als aktiver Entwurfsdesigner gänzlich abzutreten. Dann überlässt er die Formfindung mathematischen Berechnungen und Logarithmen, die banale Formen in wunderbare Ornamente verwandeln können. Es ließen sich Regale mit ständig wechselndem Ornament und gleichzeitig Garderobenhaken oder andere nützliche Dinge herstellen.

Samuel Treindl, Objekte aus der Serie „Parasitäre Produktio“, Photos Rolf Wöhrle

Samuel Treindl ist gelernter Drechsler und Gestalter, studierte Design an der FH Münster und zurzeit an der Kunstakademie Münster. Im vergangenen Jahr wurden seine Arbeiten auf zahlreichen Ausstellungen und Messen gezeigt. Zuletzt bei der internationalen Möbelmesse imm in Köln, in Mailand und in Basel. Treindl eröffnet mit seinen Arbeiten Denkräume und verpasst ihnen einen Hintersinn, der zum kritischen ebenso wie zum ironischen Kommentar zur heutigen Designproduktion zu werten ist.

Ausstellung „Heavy Metal – Edle Metalle im Design“ in der stilwerk design gallery

Aktuell zu sehen ist Samuel Treindls „Brass Shelf“ in der Ausstellung „Heavy Metal – Edle Metalle im Design“ in der stilwerk design gallery. In der Präsentation sind zudem noch weitere metallische Objekte zu sehen. Dabei steht die Wandelbarkeit von Metall im Fokus – Kupferspiegel treffen auf glänzende Schmuckstücke, farbenfrohe Wandobjekte auf aufgeblasenes Stahlblech, Motorräder auf löchrige Stahlskulpturen. Das Material variiert dabei zwischen eleganter Verspieltheit, poppiger Dekoration, stählerner Rauheit und dynamischer Leichtigkeit.

„Heavy Metal – Edle Metalle im Design“ ist noch bis 13. September 2014 in der stilwerk design gallery zu sehen.

Die Midissage findet am 27. August 19 Uhr in der design gallery im 7.OG des stilwerk Hamburg statt. Wir freuen uns auf Euren Besuch!