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2017-04-13 / Stilwerk Allgemein

Jasper Morrison. Thinking Man’s Design

Der britische Industriedesigner, der Begriffe wie „No Design“ und „Neue Einfachheit“ prägte, ist A&W Designer des Jahres 2016.

(Foto © Volker Renner)

Minimal, ehrlich, bescheiden. Der Brite Jasper Morrison gestaltet Möbel, die bis ins kleinste Detail durchdacht, in Proportion, Volumen und Masse geradezu skulptural abgestimmt sind und in ihrer reduzierten Einfachheit fast schon außerordentlich normal daherkommen. Besonders auffällig: Stühle sind ein beliebtes Motiv des Allround Designers.  

Für sein Werk wurde der Brite vom Magazin „Architektur und Wohnen“ nun zum „A&W Designer des Jahres 2016“ gekürt. Damit gesellt er sich zu anderen Designgrößen wie etwa Ingo Maurer, Richard Sapper, Patricia Urquiola oder Werner Aisslinger. Die mit dem Preis einhergehende und von ihm selbst konzipierte Ausstellung im Kölnischen Kunstverein zeigte rund 30 ausgewählte Arbeiten, ein Großteil davon Sitzmöbel in diversen Varianten. In einem äußerst reduzierten Setting, das weniger auf den Affekt angelegt war, sondern den Blick auf das Wesentliche lenkte, ließ sich das Gestaltungskonzept von Morrison wunderbar erkennen: Keine Überhöhung, keine formale Spielerei, sondern pures Design, das sich selbst am besten erklärt.

Morrison studierte an der Kingston Polytechnic Design School, am Royal College of Art in London sowie an der Hochschule der Künste Berlin Industrie Design. Hier prägten ihn vor allem der reduzierte Funktionalismus der Bauhaus-Ära sowie die Formensprache von Dieter Rams und Nick Roericht, seinem Hochschullehrer in Berlin. Heute gilt er als wichtigster Vertreter einer „Neuen Einfachheit“, die sich gegen Ende der achtziger Jahre vor allem als Gegenpol zur schrillen Memphis-Bewegung und zum Neuen Deutschen Design entwickelte.

Mittlerweile betreibt der Brite Designstudios in London, Paris und Tokyo und hat seit 1986 mehr als 600 Produkte für namhafte Marken wie Cappellini, Vitra, Magis, Sony oder Rosenthal gestaltet. Dabei folgt er stets seinem Credo immer etwas besser zu machen als das, was es bereits gibt. Die Wertschätzung des Einfachen und Ursprünglichen und die Suche nach dem Wesentlichen ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Werk.

Mit seinem „Thinking Man’s Chair“ von 1986 gestaltete er beispielsweise eine neue Form des „Deck Chair“, die ganz ohne Polsterung auskommt und in ihrer schwungvollen Unaufgeregtheit und zugleich skulpturalen Anmutung wegweisend für die neunziger Jahre sein sollte. Ein besonderer Clou:  Maße und Radien der Einzelteile verzeichnete er sichtbar auf dem Material und legte so das Geheimnis der vollendeten Form offen. Ein weiteres Highlight und zugleich äußerst repräsentativ für Morrisons Ansatz ist der „Plywood Chair“ für Vitra, den er Ende der achtziger Jahre entwickelte. Trotz maximaler Reduktion von Form und Material wirkt der Stuhl äußerst elegant und besonders einfach.

Gemeinsam mit dem japanischen Industriedesigner Naoto Fukasawa führte er im Rahmen einer Ausstellung 2006 den Begriff „Super Normal“ ein, der seitdem die Intention Morrisons präzise definiert: Dabei vereint sich das Besondere mit dem Normalen, das frei von aufgesetzten Effekten ist und den Gebrauch an erste Stelle setzt. Leise und nicht laut, nützlich und nicht vordergründig schön. 

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Ausstellungsansicht im Kölnischen Kunstverein, 2016 (Foto © Volker Renner)
Oben: Thinking Man’s Chair, 1988, Cappellini / Mitte links: Wine Glass, 2008, Alessi / Bild Mitte rechts: Plywood Chair, 1989, Vitra / Unten links: Cork Family, 2004, Vitra / Unten rechts: Smithfields S, 2009, Flos (Fotos © Jonas Unger)

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